BuLi

23. Mai 2009

34. Spieltag: Live-Blog

VfL Wolfsburg - Werder Bremen

Die Entscheidung in der Meisterschaft. Ab 15:30 hier im Live-Blog.

17. Mai 2009

33. Spieltag: Clusterf*ck

Werder Bremen - Karlsruher SC 1:3

Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Spiel auch nur annähernd so ärgern könnte. Ein völlig unbedeutendes Match, was das Erreichen der eigenen Saisonziele angeht. Verständlich, dass Spieler geschont werden, dass die zweite Reihe mal ran darf, dass der unbedingte Siegeswille nicht da ist. Allerdings war es höchst wahrscheinlich Diegos Abschiedsspiel im Weserstadion und möglicherweise auch das letzte Heimspiel unseres Kapitäns Frank Baumann. Dazu hätte man die vermaledeite Bundesligasaison zu einem etwas versöhnlicheren Ende bringen können, indem man die zuletzt starke Heimbilanz ausbaut und den Nimbus der wenigsten Gegentore der Rückrunde verteidigt.

Deshalb ist es überhaupt nicht verständlich, wie sich die Mannschaft so gehen lassen konnte. Karlsruhe lag vor dem Spieltag moralisch am Boden. Aber Werder schafft es halt immer wieder auch die verunsichertsten Mannschaften aufzubauen. Den - etwas umstrittenen - frühen Elfmeter konnte man noch als Betriebsunfall ansehen, zumal Tim Wiese ihn in seiner fast schon legendären Art hielt und Werder in der Folge die Partie immer besser in den Griff bekam. Allerdings schlichen sich immer wieder Konzentrationsmängel und Lustlosigkeit ins Spiel der Mannschaft ein. Der KSC wurde fast schon genötigt ein Tor zu erzielen. Nachdem die Badener Blut geleckt hatten - vermutlich auch angestachelt durch die Ergebnisse in den anderen Stadien - fanden sie immer besser ins Spiel, kämpften bis zum Umfallen und kamen gegen einen Gegner, der die nötige Einstellung vermissen ließ, zu einem ungefährdeten Auswärtssieg.

Nach dem Tor zum 0:3 tat ich etwas, das ich schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hatte: Ich schaltete um auf Konferenz und schaute mir den Rest des Spiels nicht mehr an. Ich weiß gar nicht genau warum, schließlich war es beileibe nicht Werders erste Vorstellung dieser Art. Vielleicht hatte es mit dem Hinspiel in Karlsruhe zu tun, als man einen schwachen und absolut unsportlichen Auftritt hingelegt hat und wo mein Glaube an diese Mannschaft so stark auf die Probe gestellt wurde, wie selten zuvor.

Bislang hielt ich den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung für übertrieben, doch nach diesem Spiel muss man ihn sich gefallen lassen. Zum Glück haben Bielefeld und Gladbach nach ihren eigenen desolaten Leistungen wenig Argumente sich bei anderen zu beschweren, doch ich kann schon verstehen, wenn der ein oder andere jetzt mit dem Finger auf Bremen zeigt. Nächsten Samstag kann sich Werder eine weitere solche Leistung nicht erlauben, denn erstens werden beim Saisonfinale alle Augen auf unser Spiel gegen Wolfsburg gerichtet sein (auf einen puterroten Uli Hoeneß, der nach dem Spiel Betrug vorwirft, kann ich verzeichten - jedenfalls wenn sein Vorwurf berechtigt wäre) und zweitens würden uns dann Grafite und Dzeko allein zweistellig abschießen.

Zum Glück bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen, denn am Mittwoch steht das UEFA-Cup Finale an. Rückschlüsse kann man aus dem Debakel gestern meiner Meinung nach keine ziehen. Doch vielleicht braucht Werder dieses Jahr vor den großen Spielen einfach einen Schuss vor den Bug. Zumindest in dieser Hinsicht könnte sich das Spiel gegen den KSC noch als sehr nützlich erweisen.

16. Mai 2009

33. Spieltag: Live-Blog

Werder - KSC

Ab 15:00 gibt es das heimliche Spitzenspiel des 33. Spieltags hier im Live-Blog/Twitter. Diego verabschiedet sich vom Weserstadion, der KSC von der Bundesliga. Für die Karlsruher tut es mir zwar leid, aber ich hoffe auf eine Revanche für das bittere 0:1 im Hinspiel.

14. Mai 2009

32. Spieltag: Wechselspiele

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen - er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen - remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.

13. Mai 2009

32. Spieltag: Live-Blog

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen

11. Mai 2009

31. Spieltag: Die Welt ist eine Papierkugel

Werder Bremen - Hamburger SV 2:0

Der letzte Teil der Derbywochen ist vorbei. Insgesamt fünf Spiele Werder gegen HSV gab es in dieser Saison. Lässt man das Elfmeterschießen außen vor, stehen am Ende zwei Werdersiege zu Buche, ein Spiel endete unentschieden und zweimal gewann der HSV. Es ist vielleicht der größte Schlag ins Gesicht der Hamburger, dass sich die trockene Bilanz so ausgeglichen liest. Denn am Ende hatte der Kampf um die Nummer 1 im Norden (Wolfsburg wird nicht als Nordclub anerkannt) einen glasklaren Sieger: Werder Bremen.

Nach Pokal und UEFA-Cup muss der HSV nun auch die Meisterschaft abhaken und steht nur noch auch Platz 6. Selbst ein Sieg heute wäre nur ein schwacher Trost gewesen. Doch letztendlich sprang das deutlichste Ergebnis aller Nordderbys in dieser Saison heraus. Werder spielte auch mit einer Notabwehrkette selbstbewusst und konzentriert. Hamburg war keineswegs chancenlos, machte aber auch nie den Eindruck, das Spiel nach dem Rückstand noch drehen zu können.

Die Fans machten sich einen Spaß aus dem Zwischenfall vom Donnerstag: Beim Einlaufen der Spieler flogen dutzende Papierkügelchen aus der Ostkurve. In der zweiten Halbzeit versuchten sie mehrfach, eine riesige Papierkugel durchs halbe Stadion in den Gästeblock zu befördern, was jedoch von den Ordnern unterbunden wurde. Die Stimmung war ausgelassen, das Spiel nach Almeidas Doppelpack schon früh nach Wiederanpfiff entschieden.

Thomas Schaaf erwies sich zu seinem zehnjährigem Jubiläum wieder als gewiefter Taktiker. Mit Harnik als rechtem Abwehrspieler hatte Hamburg wohl kaum gerechnet. Gegen den starken Jansen hatte er defensiv ein paar Probleme, doch offensiv belebte er das Bremer Spiel. In der zweiten Halbzeit dann eine clevere Umstellung: Özil, der in der ersten Halbzeit noch im Zentrum spielte, kam fast nur noch über seine starke linke Seite. Baumann, Frings und Niemeyer bildeten dahinter in der Mitte ein stabiles Dreiermittelfeld. Almeida und Pizarro ließen sich immer wieder weit zurückfallen. Der HSV hatte große Probleme, gegen die nun häufig nur mit einer Ballberührung spielenden Bremer eine Zuordnung zu finden. In den entscheidenden Duellen war Werder meist einen Tick schneller.

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Schaaf auch nach zehn Jahren Bundesliga immer noch unterschätzt wird. Als ob gutes Offensivspiel nur durch Zufall zustande käme und weniger mit der Taktik des Trainers zu tun hätte als eine konzentrierte Defensivleistung. Und selbst dann: Werder hat in der Rückrunde bislang die wenigsten Gegentore der Liga kassiert. Richtig gelesen. Die wenigsten der Liga und das bei sechs Niederlagen. Zwar kassiert Werder immer noch zu viele vermeidbare Gegentore, aber längst nicht mehr in der erschreckenden Häufigkeit der Hinrunde. Leider ist es viel zu spät um sich in der Liga bezahlt zu machen.

10. Mai 2009

31. Spieltag: Live-Blog

Werder Bremen - Hamburger SV

Hat am Donnerstag gut geklappt, deshalb auch heute wieder Live-Blog in Kombination mit Twitter:

08. Mai 2009

Heute vor fünf Jahren: Gerd Rubenbauer

Auch wenn es angesichts der aktuellen Ereignisse etwas untergeht: Vor genau fünf Jahren siegte Werder im Münchner Olympiastadion mit 3:1 und stand damit als Deutscher Meister 2004 fest. Zum Jubiläum gibt es hier die Werdertore noch mal zum Nachlesen - in den Worten des ARD-Reporters Gerd Rubenbauer:

"Ailton, wo soll er hinspielen? Da steht ja keiner. Verlegenheitspass. Lizarazu verlässt sich auf Kahn. Was macht der denn? Klasnic. Tor! Dies sei ein Spiel wie gegen Real, hatte er gesagt. So hatte er das sicher nicht gemeint. Werder bejubelt die Führung und in diesem Moment neun Punkte Vorsprung und die Meisterschaft, in diesem Moment. Fünf Rote und drei Grüne, da darf sowas nicht passieren. Ah, was für ein Patzer von Kahn. Sicherlich, das zehnte Auswärtstor Ligaspitze von Klasnic, aber... wie hatte Kahn auf Schalke gesagt? "Eier brauchen wir." An ein solches faules Ei hatte er sicher nicht gedacht. Und... Thomas Schaaf... mit erstem verhaltenen Jubel. Aber... sofort behielt er die Übersicht. Kein zu frühes Jubeln.

So spielt Bremen. Reinke. Jeremies. Baumann gewinnt das Duell gegen Schweinsteiger. Ernst. Fantastisch, Micoud! Was für ein herrliches Tor! Noch einmal: Baumann gewinnt den entscheidenden Zweikampf gegen Schweinsteiger. Dann... sieben Bayernspieler unterbinden das nicht. Ernst auf Micoud. Das ist Werder 2004. Ein Team, das mit Kopf, Gefühl und Kaltschnäutzigkeit agiert. Einfach Micoud, a la bonheur. Ein so wunderschönes Tor machte endlich auch beim Werdercoach körperliche Kräfte frei, enstpannte aber noch nicht die Gesichtszüge.

Ze Roberto. Pizarro. Verliert den Zweikampf. Und Borowski... spielte frech und selbstbewusst. Tolle Leistung. Ailton. Ailton! Klasse! Noch einmal. Pizarro in dieser Szene wie ein Werderspieler von früher. Und Borowski. Hargreaves... halbherzig halber hinaus. Ailton. Linke schaut zu, denkt sich: Aus der Distanz macht der keine Tore. Von wegen! Beim zweiten Anlauf wird der Kunstschuss von Erfolg gekrönt. Ailtons 27. Saisontor. Irr die Wege. Faszinierend der Blick zum Tor und die Art wie er trifft. 36 1/2 Jahre ist es her, dass die Bayern in einer Halbzeit drei Tore kassierten, damals gegen Köln. Die goldenen Schuhe, erstmals getragen von Ailton, die versetzten jetzt auch den Werdercoach in erste Euphorie."

26. April 2009

29. Spieltag: Rotieren geht über Verlieren

Werder Bremen - VfL Bochum 3:2

Es ist so ein Sache mit diesen Spielen zwischen den Spielen. Für Werder ging es gegen den VfL Bochum nicht mehr um viel. Nach dem Kraft raubenden Spiel gegen den HSV am Donnerstag und vor dem wichtigen Spiel gegen den HSV am kommenden Donnerstag stand für Werder in erster Linie Regeneration im Vordergrund. Doch abschenken kann man die Liga auch nicht, will man nicht in den Ruf der Schiebung geraten - immerhin spielt man noch gegen die Meisterschaftskandidaten aus Hamburg und Wolfsburg.

Werders Auftreten gegen Bochum zeigte lange diese Zwiespältigkeit. Einerseits war man überlegen und spielte nach vorne, andererseits war man nicht konsequent genug um etwas daraus zu machen. An die Unkonzentriertheiten, die zu den Gegentoren führten, hat man sich als Werderfan ja schon fast gewöhnt. Das 0:2 zur Pause erwies sich dann aber gleich doppelt als Glücksfall für Werder:

Erstens zeigte sich die Mannschaft in ihrer Ehre gekränkt und drehte in Halbzeit zwei endlich auf. Es war völlig legitim, einige Stammspieler zu schonen, das machen andere Mannschaften auch und zumeist noch viel konsequenter. Die Mannschaft, die Werder zu Beginn aufbot, war schlagkräftig. Doch Spieler wie Özil und Pizarro bringen halt doch noch eine andere Qualität mit. Ihre Einwechslungen zahlten sich aus. Özil belebte das Werderspiel ungemein und trieb so auch Diego zu einer ganz starken Leistung in der Schlussphase.

Zweitens ist ein 3:2 nach 0:2 Rückstand sicher gut fürs Selbstvertrauen. Das sollte nach dem starken Auftritt in Hamburg ohnehin vorhanden sein, doch es ist wichtig, nicht sofort wieder einen Rückschlag hinnehmen zu müssen. In dieser Hinsicht war das 3:2 auch besser als z.B. ein lockeres 2:0. Es darf sich nicht wieder das Gefühl einschleichen, es gehe schon alles von alleine. Die Mannschaft ist noch immer anfällig für Anflüge von Überheblichkeit. Und Überheblichkeit kann sie sich in dieser Saison gegen keinen Gegner erlauben.

Der einzige Nachteil könnte der erneute Kräfteverschleiß sein, doch das dürfte eigentlich kein großes Problem darstellen. Fünf Tage hat man Zeit bis zum UEFA-Cup-Spiel, Spieler wie Frings, Özil, Pizarro und Fritz spielten 45 Minuten oder weniger und das Spieltempo gegen Bochum war insgesamt doch moderat.

Richtig wütend macht mich die Leistung von Dusko Tosic. Man konnte mal wieder sehen, dass Tosic ein wirklich guter Linker Verteidiger sein könnte. Er schlägt die mit Abstand besten Flanken unserer Außenverteidiger und bringt eigentlich alles mit, was man für die Position braucht. Doch statt sich einen Stammplatz zu erspielen, hat Tosic in seinen zwei Jahren bei Werder so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Zuletzt stellte Schaaf sogar lieber Fritz auf die linke Seite als Tosic. Trotz nicht gerade übermächtiger Konkurrenz steht er, der im Gegensatz zu etwa Boenisch als gestandener Spieler nach Bremen kam, nun auf dem Abstellgleis, nachdem er es schaffte innerhalb kurzer Zeit Fans, Mitspieler und Trainer mit seinen Aussagen und seiner Trainingsfaulheit zu verärgern. Sebastian Boenisch mag noch so manche Schwäche haben, doch man sieht ihm in jeder Minute des Spiels an, dass er mit vollem Herzblut dabei ist. Und das ist mir tausendmal lieber als ein Spieler, der sein Potenzial so sinnlos verschwendet.

29. Spieltag: Spielbericht

Werder Bremen - VfL Bochum

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel

Werder also heute gegen Bochum. Wichtigstes Spiel des Jahres: Vor dem zweiten Nordderby bloß nicht den Rasen kaputt treten. Werder schont ganz überraschend die halbe Startelf vom Mittwoch. Ist das Schiebung beim Kampf um Platz 13? Um Hannover eins auszuwischen? Werder haut Bochum zuhause traditionell die Hütte voll. Bis auf letzte Saison, wo Bochum das Abseitstor des Jahrzehnts erzielte. Das Premiere Expertenduo kommt zum Schluss, dass am 29. Spieltag doch recht viele Mannschaften gewinnen müssen. Sensationell.

Aufstellungen

Werder: Wiese - Prödl, Merte, Naldo, Tosic (!) - Frings, Tziolis, Niemeyer, Diego - Almeida, Rosenberg

Bochum: Fernandes - Concha, Maltritz, Mavraj, Yahia - Imhof, Pfertzel - Freier, Dabrowski, Bönig - Sestak

Das Spiel

1' Spiel läuft und Diego bleibt gleich mal am Mittelkreis liegen nachdem er den Ball vertändelt hatte. Özil macht sich warm.

4' Erste Ecke Werder nach abgefälschtem Almeida-Schuss. Bringt nichts ein. Diego scheint wieder rund zu laufen.

7' Diego führt einen Freistoß schnell per Hacke auf Almeida aus, aber von Schiri Perl zurückgepfiffen. Schade.

9' Erste gute Chance Werder: Diego schickt Tosic, der mit guter Flanke auf Rosenberg. Der Schwede bekommt den Ball aber nicht aufs Tor.

12' Ausrichtung ist klar: Werder spielt nach vorne, der VfL steht hinten drin und wartet auf Kontermöglichkeiten. Bislang vergeblich.

16' Werder - Bochum 0:1, Sestak. Joah, kann man so machen. Steilpass von Pfertzel auf Sestak, der frei durch ist und Wiese tunnelt.

18' Man kann nun wirklich nicht sagen,dass sich das Tor angekündigt hätte. Bochum nahm bislang nicht am Spiel teil. Dann aber gleich richtig.

21' Frings flankt aus dem Rückraum auf Almeida, der per Kopf vom 11m-Punkt abtropfen lässt. Rosenberg trifft jedoch den Ball nicht richtig.

23' Diego dribbelt durchs Mittelfeld, findet keine Anspielmöglichkeit und versucht es mal selbst. Ungefährlicher Schuss.

25' Wenigstens sind wir nicht die einzigen, die trotz klarer Überlegenheit zurückliegen. In diesem Sinne schöne Grüße nach München.

27' Die Oskurve singt "Scheiß HSV" und "Über Hamburg fahr'n wir nach Berlin". Auch das zeigt die Wichtigkeit dieses Spiels.

32' Beste Chance Werder. Naldo und Almeida mit Kopfballverlängerung, Rosenberg nimmt gut mit, aber bolzt dann 25m drüber. Oh man.

33' Frings holt sich die 5. Gelbe und darf in Köln zuschauen. Freistoß Bochum aus 20m Sestak knapp rechts vorbei. 2. Chance Bochum.

37' Also Bochum macht das schon geschickt, bis 35m vor dem Tor lässt man Werder freie Bahn und macht dann die 15m vor dem Strafraum ganz eng.

39' Frings mit ganz starker Vorarbeit auf Rosenberg, der wartet lange auf die Lücke gegen Fernandes, aber scheitert dann aus spitzem Winkel.

43' Tziolis und Niemeyer sehr aktiv im Spielaufbau, aber erwartungsgemäß ohne kreative Geistesblitze.

44' Werder - Bochum 0:2, Sestak. Zweiter Konter - zweites Gegentor. Wieder Sestak. Auf einer Naivitätsskala von 1-10 liegt Werder heute bei 13.

45' Kurz vor dem Tor war Diego zu eigensinnig. Statt auf den neben ihm völlig freien Almeida abzuspielen schießt er selbst drauf.

Halbzeit: Werder - Bochum 0:2. Auch die Fans haben gemerkt, dass es noch nicht gegen den HSV geht und quittieren die Leistung mit Pfiffen. Ich fühle mich gerade ganz stark an die Rückrunden '07 und '08 erinnert. Ecke für Werder, der Gegner macht das Tor. Sind bei über 20 Grad im Schatten Sprints vom gegnerischem Strafraum zurück zum Eigenen für einen Fußballprofi überhaupt zumutbar?

Zur Strafe schaue ich jetzt im ZDF dem Lichter beim Kochen zu.

46' Wir spielen weiter. Özil jetzt im Spiel für Frings. Prödl sieht Gelb.

52' Diego sieht Gelb. Kommentator Lindemann: "Die Bochumer haben schon ihren Ruppsack dabei." Nein, hat er gar nicht gesagt: "Rucksack"!

55' Werder - Bochum 1:2, Almeida. TOOOOOOOOOORRRRRRR!!!!! Özil schickt Rosenberg steil, der legt vor dem Tor quer auf Almeida. Endlich mal ein richtig guter Spielzug.

60' Özil geht bis zur Grundlinie durch und spielt flach scharf an den langen Pfosten, doch da steht niemand.

62' Pizarro kommt für Rosenberg. Bochum wirkt etwas mutiger, dadurch aber auch mehr Platz für Werder.

65' Pfertzel muss nach einem Foul von Prödl verletzt runter. Für ihn kommt Epallé, der Mann mit der Maske.

69' Letzter Wechsel bei Werder. Clemens Fritz kommt für Prödl.

70' Werder - Bochum 2:2, Naldo. TOOOOOOOOOORRRRR!!!!!! Na also, geht doch. Özil legt auf für Naldo, der von der Strafraumgrenze ins lange Eck schießt.

72' Und Özil fast mit dem 3:2. Klasse Balleroberung von Almeida, dann Pass von Diego auf Özil, der per Schlenzer an Fernandes scheitert.

75' Ganz komisches Spiel. Werder drängt auf das Siegtor, aber insgesamt wirkt das Spiel sehr bedächtig und langsam. Als wärs ein Sommerkick.

78' Diego mit Traumpass auf Özil, der in den Strafraum zieht, wieder schlenzt und wieder an Fernandes scheitert.

79' Werder - Bochum 3:2, Diego. TOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!! Ein Klärungsversuch von Fritz landet im Strafraum auf Diegos Schlappen. Der trifft ins rechte obere Eck.

82' Bin mir nicht ganz sicher, wie so ein Ball 6 Meter vor dem Tor vom hünenhaften Diego ohne Gegenwehr angenommen werden konnte...

84' Freistoß Werder aus 17 Metern nach Foul an Pizzaro. Diego an den Pfosten!

85' Und nochmal Diego mit einem Hammer aus 16 Metern! Gehalten von Fernandes. Werder mit 30:8 Torschüssen.

87' Diego packt jetzt sein ganzes Repertoire aus. Man of the Match ist für mich aber Özil, der Werders Spiel in Halbzeit 2 sehr belebt hat.

89' Bochum versucht zumindest noch einen Punkt zu holen, aber eine Schlussoffensive sieht anders aus. La Ola im Stadion.

90+1' Gibt noch eine Ecke für Bochum und... Abseitstor! Puhhh!

Endstand: Werder - Bochum 3:2. Torwart Fernandes erzielte das Tor in der letzten Minute, stand aber wohl knapp im Abseits. Werder dreht dank einer starken zweiten Halbzeit ein 0:2 in einen 3:2 Sieg. Wichtig, dass man hier nicht untergegangen ist! Vor allem die Einwechslung Özils zur Halbzeit belebte Werders Spiel. Sieg ist insgesamt verdient, wenn auch durch eigene Fehler erschwert.

"Die Meisterschaft ist nicht das Ziel aller Träume." Ach Franz...

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